TRAUMJOB REISEBLOGGER: DIE WAHRHEIT HINTER DEM GROSSEN TRAUM

12. Juni 2017

Traumjob Reiseblogger.

Was ist das Spannende im Leben eines Bloggers, speziell eines Reisebloggers? Klar man reist viel und sieht viele verschiedene Länder, lebt in tollen Hotels und verbringt die Wartezeit am Flughafen in den VIP Lounges der Airlines. Das Beste aber ist: Man wird sogar noch dafür bezahlt. Über ganz viel Träume und noch mehr Realität.

Gastbeitrag von Holger @ Travellersdelight

Montagmorgen, 7:00 Uhr. Noch etwas müde sitze ich am Flughafen Hamburg und warte dass das Boarding beginnt. Ich sehe wie die letzten Geschäftsreisenden gehetzt eintreffen, oder mit ihrem überteuerten Latte Macchiato und Sandwich das nicht mehr geschafte Frühstück kompensieren. Nebenbei wird schon ein wenig gearbeitet. Der Lufthansa Flug nach Frankfurt ist pünktlich und genauso pünktlich wird mit dem Boarding begonnen.

Der Mitarbeiter der Lufthansa bittet nun zuerst die Hons Circle Member, die Senatoren und die Frequentflyer zum Einsteigen auf, alle anderen müssen noch warten. Mit meinen mehr als 60.0000 Statusmeilen im Jahr bin ich Frequentflyer und profitiere von den Vorteilen des Priority Boardings. Ich darf also mit ein paar wenigen Anderen vorher in die Maschine, was den Vorteil hat, dass ich auf jeden Fall noch Platz in den oberen Ablagefächern für mein Handgepäck finde und es kein Gedränge beim Einsteigen gibt.

Ich bin Reiseblogger und auf Einladung meines Auftraggebers auf dem Weg in eine Destination, die ich mir ohne diesen Job hätte gar nicht leisten können, zumindest nicht so häufig, denn vor ein paar Tagen bin ich erst von einem Trip nach Madeira zurückgekommen.

Heute geht es für 6 Tage nach Bali. Ziel ist es ein wenig über die Insel und das fünf Sterne Resort zu schreiben. Mit im Gepäck mein MacBook Pro, sehr viel Speicher und meine nagelneue Canon EOS D5 Mark III und die Mavic Pro für die Luftaufnahmen, denn neben dem Blogbeitrag über diese Reise, wird es auch noch ein Video auf YouTube geben. Da setze ich mich aber erst ran wenn ich wieder zuhause bin und Zeit dafür habe. Und die ist gerade echt knapp, denn in zwei Wochen bin ich schon wieder auf eine Wohnmobil Rundreise mit 6 anderen Bloggern durch den Westen der USA eingeladen.

Mit im Gepäck auch eine Armbanduhr eines bekannten, grad sehr angesagten Herstellers, von der ich noch einen Instagram Post auf Bali machen werde. Die Uhr kann ich dafür natürlich behalten, zusätzlich zu dem Honorar für den Post auf Instagram versteht sich.

Ab Frankfurt fliege ich um 11:00 Uhr mit Emirates weiter nach Denpasar auf Bali. Die Wartezeit vertreibe ich mir in der Emirates Lounge. Entspannung auf so langen Flügen ist wichtig, insbesondere wenn man, wie nach Bali, noch 2 Mal umsteigen muss (Dubai und Singapur). Da das auch mein Auftraggeber, ein großer Reiseveranstalter weiß, hat er für mich einen Platz in der Business Class reserviert…

Traumberuf am Traumstrand.

Die Leidenschaft zum Beruf machen

Schöne Geschichte eigentlich und ich gehe davon aus, dass du dies liest, weil auch du gerne reist und vielleicht auch gerne schreibst und deine Erfahrungen genauso gerne mit anderen teilen möchtest. Da liegt der Gedanke nicht fern, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Also quasi die Lust am Reisen und Bloggen mit dem Geld verdienen.

Ich wurde vor einiger Zeit auf einer Veranstaltung für Blogger von einer jungen Dame die unser Reiseblog zu kennen schien, darauf angesprochen, ob wir (Gunnar und ich) beide das Ganze hauptberuflich machen, oder nur ich…

Ich musste ein wenig schmunzeln, wegen dieser Frage und überlegte erst, ob ich wie am Anfang dieses Beitrages auch erst ein wenig flunkere, oder ob ich ihr die Illusion nehme, dass man mal eben mit dem Bloggen über Reisen den schnellen Euro machen kann, bzw. ständig zu irgendwelchen Reisen eingeladen wird und so für lau die weite Welt kennen lernt. Schweren Herzens entschied ich mich für Letzteres auch wenn mir das Flunkern wesentlich mehr Freude bereitet hätte.

Mit dem Wohnmobil durch Kanada.

Ich erzählte ihr bei einem Latte Macchiato die Geschichte unseres Blogs, und langsam wurde es ihr klar, dass der Traumjob Reiseblogger genauso wenig wie der Beruf YouTuber (diesen Berufswunsch höre ich auch sehr häufig bei jungen Menschen), vom Himmel fällt und bei den meisten Bloggern, die man so kennt oder denen man folgt, eben nicht der Hauptberuf ist.

Die meisten machen es wie wir nebenbei und wenn man darin einigermaßen erfolgreich sein möchte, dann muss man im Privatleben so einige Abstriche machen. Von Vorteil ist es, wenn der Partner da mit spielt und noch besser ist es wenn er sogar einen eigenen Part bei diesem Job, der so eigentlich ja nur ein Hobby ist, übernimmt.

Aber wie wird man dann nun ein erfolgreicher und berühmter (Reise)blogger?

Gute Frage, die aber pauschal nicht beantwortet werden kann.

Ich habe in der Frage das Wort Reise absichtlich in Klammern gesetzt, denn es ist ersetzbar, weil Reisen nur ein Thema ist über das man schreiben kann. Technik ist ein Weiteres, Food und Fitness, Games und Mode, Katzen und Pferde sind alles Themen über die man viel schreiben kann und zu denen es große Nachfrage gibt.

Will sagen, du kannst alles zu deinem Thema machen. Wie man damit erfolgreich wird, ist in tausenden Blogbeiträgen beschrieben.

Die Essenz ist aber immer die Gleiche: Arbeite hart und erwarte nicht zu viel, insbesondere nicht am Anfang. Aber auch: gebe nicht auf und bleibe am Ball.

Es gibt Millionen wie dich

Sei dir bewusst, dass es Millionen Menschen gibt, die den gleichen Wunsch haben wie du, und es bereits Millionen von Blogs gibt die das gleiche Thema behandeln wie du. Sich aus dieser Masse zu erheben, Aufmerksamkeit zu erregen oder einfach nur gelesen zu werden, ist heutzutage keine leichte Aufgabe.

Du musst viele Disziplinen beherrschen, um diesen Job erfolgreich machen zu können und du musst noch mehr Zeit investieren. Dazu gehört Wissen um die Hilfsmittel die du nutzen kannst und ganz viel Disziplin. Aber auch Talent. Wenn du weder schreiben, noch mit einer Kamera umgehen kannst, wenn du weder eine Bildbearbeitung, noch eine Blogsoftware bedienen kannst, dann wirst du es sehr schwer haben.

Willst du vernünftige Videos auf YouTube hochladen, dann solltest du auch noch ein Schnittprogramm beherrschen können. Ok, gerade bei YouTube gibt es erschreckende Ausnahmen, die mit technisch und inhaltlich schlechten Videos unglaubliche Zugriffszahlen aufweisen, aber diese Zeitgenossen sind es nicht, um die es hier geht. Den es geht darum hochwertigen, uniquen Content zu erstellen.

Sei bereit zu investieren

Denk dran, auch wenn deine Idee und dein Content noch so gut sind, kennt dich am Anfang keiner. Das heißt du musst Werbung für dich machen. Wie das geht, ist auch tausendfach beschrieben:

  • liefere regelmäßig hochwertigen Content ab
  • lese und kommentiere andere Blogs
  • vernetze dich mit anderen Reisebloggern und mit deinen Lesern

um nur drei zu nennen.

Du musst also Zeit investieren, aber auch Geld. Als Reiseblogger um so mehr, denn Reisen kostet Geld.

Setze nicht darauf, dass du im ersten Jahr schon zu irgendwelchen Bloggerreisen eingeladen wirst. Du musst dich, wie schon beschrieben, erst einmal bekannt machen, dich beweisen. Denn die Auftraggeber erwarten von dir dann auch natürlich eine gewisse Reichweite. Ein Blog das im Monat 100 Aufrufe hat, ist für einen Kunden nicht interessant.

Ebenso musst du in dein Equipment investieren. Eine gute Kamera-Ausrüstung, Software für die Bildbearbeitung und evtl. Filmschnitt und und und.

Und glaube nicht dass dann, wenn du das alles tust, dir die Reiseveranstalter und Tourismusverbände die Bude einrennen. Du musst den Spieß schon umdrehen und selbst aktiv werden. Erst dann, wenn sie dich erstmal wahrgenommen haben, kann es sein, dass sie von sich auch mal bei dir anklingeln. Warte aber besser nicht darauf, wenn du noch nicht zu den Top 10 der deutschen Reiseblogger gehörst.

Und wenn ich es dann geschafft habe, dann fängt das schöne Leben an?

Auf jeden Fall! Glaube ich zumindest, denn wir selbst gehören mit unserem Blog noch nicht zu den Top 10 der deutschen Reiseblogger. Es kommt aber auch immer drauf an wie man Traumjob oder schönes Leben definiert.

Den ganzen Tag an den wunderschönsten Destinationen abhängen, kostenlos verpflegt zu werden und sich dafür ab und zu hinreißen zu lassen einen Blogbeitrag mit ein paar tollen Fotos zu veröffentlichen, klingt reizvoll, spiegelt aber nicht das Leben eines Reisebloggers wider.

Genauso wie für Viele der Beruf des Piloten oder Flugbegleiters ein Traumjob ist, bei dem man viel rumkommt, ist das ganze doch auch mit viel Arbeit verbunden.

Deine Auftraggeber erwarten was von dir, wenn sie dich durch die Welt kutschieren, und das ist nicht wenig.

In der Regel wird die Erwartung auch noch mittels eines Vertrages fixiert. Wenn du das alles weißt und in Kauf nimmst dann ist Reiseblogger sicher genau das Richtige für dich auch wenn es nur ein Hobby ist bzw. bleibt. Denn genau so sehe ich das.

Elefantenstreicheln in Knysna.

Wer unser Blog kennt, der weiß und sieht, dass wir gerne auf der Welt unterwegs sind, gerne fotografieren und schreiben. Wir beherzigen zwar auch all das, was ich in diesem Beitrag beschrieben haben, wir bauen uns aber keinen Druck auf, erfolgreich sein zu müssen. Wir haben beide ganz normale Jobs und zahlen unsere Reisen (noch) immer selber.

Statt in Frankfurt in den Anschlussflug über Dubai und Singapur nach Bali zu steigen, stieg ich übrigens in ein Taxi, das mich beruflich zu einer Konferenz brachte. Abends war ich dann auch schon wieder zu Hause.

Über Holger

Holger auf dem Lions Head.

Holger betreibt zusammen mit seinem Mann Gunnar den Reiseblog travellersdelight.de und den Technikblog notherndelight.de. Reisen ist für ihn pure Erholung, auch wenn sie bei ihren Reisen nie still am Strand liegen und in der Sonne braten. Keine 10 Minuten würde er es auf einer Strandliege aushalten, ohne dabei zu denken, etwas zu verpassen. Auf Reisen möchte er das Land entdecken, neue Erfahrungen sammeln und dabei auch mal gern an die eigenen Grenzen kommen. In diesem Sinne schreiben sie auf dem Blog über jede Reise sehr viel und meistens auch sehr persönlich.

Träumst du auch davon, vom Bloggen leben zu können?

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Kommentare

  1. Holger sagt:

    Hallo Igor, danke, dass wir Teil deines Blogs werden durften. Es hat wirklich viel Spaß gemacht, den Beitrag für dich zu schreiben.

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