IST DER TOD DAS GRÖSSTE GESCHENK DES LEBENS?

22. Januar 2017

Wenn der Herbst kommt, fällt das Leben von den Bäumen.

Wir fürchten uns alle davor. Wir möchten keinen Gedanken an ihn verschwenden. Wir wollen nicht wirklich darüber reden. Wir wollen ihn alle am liebsten einfach nur ignorieren. Den Tod.

Doch ist er einer der grössten Geschenke unseren Lebens. Er ist vielleicht das beste, was uns passieren konnte. Auch wenn es skurill und unheimlich klingen mag. Der Tod ist das grösse Geschenk des Lebens.

Der Tod macht das Leben erst wertvoll

Wenn heute der letzte Tag in meinem Leben wäre, würde ich das tun, was ich mir heute vorgenommen habe zu tun?

Genau dieser Satz, den einst Steve Jobs in einer Rede an College-Absolventen gesagt hat, macht den Tod so kostbar und wertvoll wie nichts anderes in unserem Leben.

Er zeigt uns immer wieder, dass unsere Zeit hier auf dem wunderschönen Planeten irgendwann endet und nicht für die Ewigkeit bestimmt ist. Er zeigt uns, dass wir nicht ständig unsere sehnlichsten Träume und Wünsche immer wieder nach hinten verschieben sollten, sondern alles daran setzten müssen, endlich anfangen zu leben. Er zeigt uns, dass wir nichts „irgendwann mal“ machen sollten, sondern jetzt schon eine Liste erstellen sollen, wie wir es möglichst bald und in realistischer Zukunft machen und erleben können.

All die schönen Momente mit unseren Liebsten, die wir machen wollen. All die Orte, die wir besuchen möchten. All die Freuden, die wir hoffen, einst zu erleben. All die Liebe, die wir geben möchten. All die Küsse und Umarmungen, die wir unseren Liebsten schenken möchten.

Für all das gibt es leider keine Garantie.

Niemand kann uns garantieren, dass wir all das, was wir uns vorgenommen haben, auch jemals erleben werden. Niemand weiss, ob wir bereits morgen noch die Freuden des Lebens spüren werden. Genau so ist es für niemanden sicher, dass er das nächste Wochenende oder die nächsten unvergessliche Reise erleben wird.

Der Tod ist leider ziemlich egoistisch und nimmt keine Rücksicht. Auf niemanden.

Der Sonnenuntergang als das Ende vom Tag.

Unser aller Ende wird kommen

Wir müssen uns alle eins klar werden. Die Zeit in unserem Leben ist begrenzt.

Ich höre so oft von anderen Menschen, wie sie mir ihre schönsten Träume erzählen, während ihre Augen strahlen und am Ende kommt dann der Satz:

Ja, irgendwann dann mal … vielleicht.

Wieso sind wir uns da so sicher, dass dieses „irgendwann“ jemals überhaupt passieren wird? Klar, wir möchten optimistisch bleiben und das ist auch wunderbar. Dennoch hat unser Optimismus auf ein langes, gesundes und erfülltes Leben keine Garantie.

Das einzige, was uns wirklich garantiert ist, ist das Jetzt. Der Augenblick.

Jetzt existieren wir. Jetzt können wir unsere Träume verfolgen. Jetzt können wir die nächste Reise buchen. Jetzt können wir zu unseren Liebsten gehen, sie küssen oder einfach nur umarmen und ihnen sagen, wie sehr sie unser Leben bereichern.

Auch wenn wir es gerne verdrängen und nicht darüber reden möchten, so müssen wir uns stets im Klaren sein, dass unser Ende kommen wird.

Menschen, die nicht an die eigene letzte Stunde glauben, machen den jetzigen Moment weniger wertvoll, als er wirklich ist. Ob es danach weiter geht, weiss ich nicht. Und genau deshalb will ich die sicheren Augenblicke noch viel stärker und bewusster wahrnehmen. Diese sind mir garantiert.

Ja, ist schon cool mit meinen Jungs oder Mädels einen schönen Abend zu verbringen. Aber das ist ja nicht das letzte mal.

Ah, heute habe ich kein Bock auf meine Eltern, vielleicht morgen.

Ich liebe meine Freundin, aber warum soll ich es ihr heute zeigen? Dafür ist ja noch genug Zeit.

Warum sind wir uns da so sicher, dass wir noch genug Zeit für alles haben? Weisst du was – wir sind es nicht. Wir wollen es bloss nicht wahrhaben.

Es ist eine unangenehme Wahrheit, die wir nur all zu gerne verdrängen. Lieber so tun, als würde es niemals passieren, statt genau deshalb die eigenen Taten und das eigene Weltbild zu verändern.

Irgendwann werden wir vielleicht nicht mehr die vollständige Clique sein. Irgendwann sind unsere Liebsten vielleicht nicht mehr hier (Ich hasse diesen Gedanken). Irgendwann können wir jemanden nicht mehr sagen, wie sehr wir ihn mögen oder lieben, weil er nun an einem besseren Ort ist.

Oder irgendwann können das all die Menschen nicht mehr mit uns machen, weil wir nicht mehr hier sind.

Wir verdrängen nur zu gerne die Wahrheit, damit wir nicht handeln müssen. Eins kann ich dir garantieren:

Irgendwann haben wir keine Zeit mehr, alles richtig zu machen.

Warme Strahlen eines Sonnenaufgangs mit neuem Leben.

Von Anfang an richtig machen

Das schöne am Tod ist, dass er uns zwingt zu versuchen, alles bestmöglich und richtig zu machen. Von Anfang an das beste von sich zu geben und das Maximum daraus holen.

Dadurch, dass unsere Zeit hier nur begrenzt ist, sollten wir auch alles geben um möglichst viel aus unserer eigenen Geschichte herausholen.

Wir haben keine unzähligen Versuche und können wie in einem Spiel auf „Neustart“ drücken. Wir müssen nachdenken und möglichst rational handeln, weil wir nicht mehr zurück können. Doch was bedeutet schon rational und vernünftig zu handeln?

Die grösste Vernunft die eigene Wahrheit zu leben.

Das zu tun, wofür mein Herz den Puls erhöht, meine Augen tränen, mein Bauchgefühl mir zustimmt. Ich möchte das tun, was mich jeden Abend mit einem Lächeln einschlafen lässt. Von Anfang an. Richtig.

Ich möchte reisen. Die Welt sehen. Wundervolle Menschen kennenlernen. Mit meinen Liebsten lachen. Vom tiefsten Herzen lieben. Jeden, den ich mag auch sagen können, dass er mir wichtig ist, ohne Angst zu haben, meine Gefühle zu offenbaren. Ohne Angst zu haben, verletzt zu werden.

Ich möchte der Mensch sein, der ich im Herzen bin. Nicht der, den man von mir erwartet zu sein.

Die Sicherheit, ob ich dadurch alles richtig mache, habe ich leider nicht. Genau so, wie ich für mein Leben keine habe. Keine Sicherheit, dass ich den morgigen Tag erleben werde.

Jeder stirbt, aber nicht jeder lebt. Sieh bitte zu, dass dein Leben vollgefüllt mit schönen und unvergesslichen Momenten ist.

Im Frühling erwacht das Leben erneut.

Sieh dem Tod in die Augen

Um nochmals auf das Zitat vom Anfang zurück zu kommen.

Wenn heute der letzte Tag in meinem Leben wäre, würde ich das tun, was ich mir heute vorgenommen habe zu tun?

Ist dieses Leben, das ich jetzt führe wirklich das, was ich möchte? Bin ich mit dem Lebensumständen wirklich zufrieden? Verdränge ich meine eigene Wahrheit, um bloss nicht die Komfortzone verlassen zu müssen? Um nicht verletzt zu werden? Macht mich der Job, für den ich meine Lebenszeit gebe, wirklich glücklich? Ist mein Leben wirklich meine Mission? Bin ich hierfür geboren, oder lebe ich bloss nach irgendwelchen Normen, die mir aufgezwungen wurden.

Auch wenn der Tod etwas unschönes, so ist er das grösste Geschenk unseren Lebens. Wir dürfen ihn nicht als etwas negatives sehen, den durch ihn ist die Zeit, die wir haben, erst so wertvoll und einmalig.

Lass uns jeden Tag so leben, als wäre es unser letzter. Mir ist klar, dass das finanziell nicht immer möglich ist. Aber wenigstens zu unseren Mitmenschen sollten wir jeden Tag so sein, als gäbe es keine weitere Gelegenheiten. Freude im Leben zu schenken kostet nichts und ist unheimlich wertvoll.

Der Tod macht die Reise so unvergesslich und lebensverändernd. Die eigene Mission auf dem Planeten zu etwas, das wir auf keinen Fall vergessen dürfen und stets zu verfolgen haben. Die schönen Momente mit unseren Liebsten zu Augenblicken, an die wir immer wieder gerne zurückdenken. Das Lachen zu einem Augenblick, in dem wir die ganze Welt um uns herum vergessen könne. Die Umarmung zu einem der schönsten und nächsten Berührung mit liebgewonnenen Menschen. Den Kuss zu etwas so sinnlichem, das er neben unserem Herzen den ganzen Körper erwärmt. Diese Worte zur Sprache meiner Seele und Gefühle. Das Leben zum grössten Geschenk unserer Existenz.

Ich wünsche dir ein langes, gesundes und wohlerfülltes Leben, dass dich jeden Tag mit einem Lächeln einschlafen lässt und du in deiner letzten Stunde sagen kannst:

Fuck, yeah! Ich habe gelebt!

Ebenfalls sehr lesenswert zu diesem Thema: Es gibt ein Leben vor dem Tod

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Kommentare

  1. Hans-Georg sagt:

    Es ist nicht nur der Tod, der uns daran hindern könnte, Dinge zu tun, die wir aufgeschoben haben. Krankheiten, die uns in unseren Tätigkeiten und Lebensgefühl beeinträchtigen, können uns ebenso zusetzen.
    Vor ein paar Jahren saß ich im Sommer auf unserer Terrasse und hatte das Bedürfnis, Champagner zu trinken. Ich sagte mir, dass ich das genau jetzt auch machen sollte. Denn morgen könnte es sein, dass ich mir den nicht mehr leisten könnte oder dass ich ihn aus der Schnabeltasse trinken müsste. Und ich holte eine Flasche Champagner aus dem Kühlschrank und trank Champagner: http://queergedacht.de/2011/06/dekadent/

    Egal welchen Wunsch wir verspüren, egal welche Idee wir verwirklichen möchten – wir sollten es immer schnelltsmöglich machen bevor es zu spät ist.

  2. DieReiseEule sagt:

    Ich weiß, was es bedeutet, nur zu überleben und nicht zu leben. Es ist ein Kraftakt, sich aus einem Sumpf zu befreien, in den man ungewollt geschubst wurde. Aber es ist machbar.
    Leben macht glücklich. Eigene Ziele finden und durchziehen ebenfalls. Im Tod findet sich das Leben. Man erkennt es leider nur meist erst, wenn der Tod in unmittelbarer Umgebung zugreift. Dadurch schmerzt es ungemein.
    Leben. Lieben. Lachen. Der Mittelpunkt des eigenen Lebens liegt nicht am Ende der Fahnenstange. Er lässt sich nicht verschieben oder mitnehmen. Er ist hier und jetzt in mir.

    Ein weiser Text ist dir gelungen.

    Es grüßt DieReiseEule Luane

  3. Oli sagt:

    Ich weiss nicht, ob du schon mit Leuten zu tun hattest, die wissen, dass der Tod naht. Zum Beispiel Krebskranke. Die haben oft bei der Diagnose noch einen hinreichend guten Gesundheitszustand, um Dinge zu unternehmen. Das Seltsame ist: Wenn jemand weiss, dass heute der letzte Tag/Woche/Jahr ist, lähmt diese Vorstellung wahnsinnig. Daran muss ich immer denken, wenn jemand sagt, man solle jeden Tag so leben als wäre es der letzte.

    • Igor Igor sagt:

      Leider kenne ich solche Fälle und gebe dir vollkommen recht. Zum Glück kenne ich aber auch Menschen, die eine schwere Krankheit hatten und nun wieder gesund sind. Für die hat sich das Leben stark zum Positiven gewendet, weil sie gesehen haben, dass nichts unendlich ist. Ich denke, dass hinter dem berühmten Zitat vielmehr die Motivation liegen soll, sein Leben bereits bei bester Gesundheit voll auszuschöpfen, nichts zu verschieben oder als selbstverständlich zu nehmen.

  4. Christina sagt:

    Total schön geschrieben. Mir kamen sogar ein bisschen die Tränen 🙂

    • Igor Igor sagt:

      Wow! Freut mich enorm, dass dich der Text berührt hat. Und jetzt Tränen abwischen und ein Lächeln aufsetzen, weil wir noch das Geschenk des Lebens geniessen wollen.

  5. Alexa sagt:

    Gänsehautmoment! Toller Artikel und ein großartiges Thema über das gesprochen werden muss. Danke für diesen tollen Artikel! Leider ist das Thema Tod immer noch für viele Menschen ein absolutes Tabu, dabei gehört es zum Leben wie geboren werden, Ich finde es klasse, dass du das in die Welt hinausträgst. Das machen immer noch zu wenig Menschen.

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