AUSCHWITZ-BIRKENAU BESUCHEN: SO IST ES VOR ORT

15. Mai 2017

KZ Auschwitz-Birkenau: Hier war Freiheit nur noch eine Erinnerung.

KZ Auschwitz-Birkenau. Ein Name, der Geschichte geschrieben hat. Das Konzentrationslager diente während dem zweiten Weltkrieg für erschreckende Unmenschlichkeit. Ein Ort, an dem viele Unschuldige ihr Ende fanden, bloss weil sie in Augen anderer als schuldig oder einfach anders angesehen wurden. Grund genug, um diejenigen Menschen damals einzusperren, zu versklaven, sich an ihnen auszuleben und schlussendlich umzubringen. Heute ist das KZ Auschwitz-Birkenau noch als Museum offen und lässt tiefe Einblicke in die menschliche Schandtaten. Über eine etwas andere Reise und einen Tag voller Tränen und schweigender Gedanken.

Von Krakau nach Auschwitz

Der Tag Richtung Auschwitz beginnt in frühen Morgenstunden aus der naheliegenden und wundervollen Stadt Krakau. Die Stadt ist perfekt für ein verlängertes Wochenende und einen ganzen Tag sollte man sich dabei unbedingt für den Ausflug in das KZ reservieren.

Nach einer etwa einstündigen Autofahrt nähert man sich der Stadt Oświęcim. Der Name sagt den meisten nicht viel und doch steht er in unmittelbaren Zusammenhang mit dem KZ. Oświęcim ist nämlich der Standort des Lagers und enthielt dadurch unheilvolle Bekanntheit.

Die Bewohner wollen nicht nur in Verbindung mit dem KZ gebracht werden.

Während der Autofahrt ergibt sich die beste Möglichkeit um mit dem einheimischen Fahrer über die Geschichte und seine persönliche Erfahrungen und Ansichten über Polen, Krakau und Auschwitz zu diskutierten. Eine Möglichkeit, die ich persönlich nie auslassen möchte und ebenfalls jedem ans Herz legen kann. Somit kriegt man einen authentischen Einblick in das Leben der Einwohner und kann sich ein besseres Bild des besuchten Ortes machen.

Dabei erfuhr ich auch, dass die Bewohner der Stadt Oświęcim sehr viel Wert darauf legen, nicht nur mit dem KZ Auschwitz-Birkenau in Verbindung gebracht zu werden. Sie hätten mehr zu bieten und wollen das auch den Reisenden zeigen. Irgendwie verständlich.

Arbeit macht frei

Nach der unmittelbaren Ankunft und der Gruppenzuteilung geht es direkt zum Eingang des Konzentrationslager und somit zum berühmten Tor mit der Aufschrift „Arbeit macht frei“. Bereits hier sieht man noch von aussen einige Häuser, umzäunt mit Maschendraht. Hier bekommt jeder Besucher das erste Mal ein unwohles Gefühl, während man in die Geschichte des KZ eingeleitet wird.

Nach dem Eintritt in das Konzentrationslager ist man an einem Ort angekommen, an dem in den 40er Jahren schreckliche Taten auf der Tagesordnung waren. Die einzelnen Häuser sind perfekt in Reihen gegliedert. Während dem Durchgang  gehen in jedem Besucher die Bilder durch, wie es wohl damals gewesen sein muss, hier gefangen zu sein und nur noch auf den eigenen Tod zu warten.

Einzelne Häuser sind originalgetreu geblieben und lassen noch Heute einen tiefen Einblick, in welchen Zuständen die Gefangenen damals ihre letzten Tage verbracht haben. Wiederum andere Häuser dienten bereits damals als Experimentlabore, wie auch als Verweil- und Übernachtungsmöglichkeit der Aufseher.

Das Tor zum KZ Auschwitz.

Leere zwischen den Häusern im Konzentrationslager.

Im Block Nummer 10 wurden zahlreiche Experimente an Frauen durchgeführt.

Stop! Hier geht es nicht mehr weiter.

Reste der Unmenschlichkeit

Eins der Häuser dient heute als Museum in dem die letzten Besitze der Gefangenen noch aufbewahrt wurden. Hinter den grossen Glaswänden liegen tausende von Schuhen, Koffern, Brillen und anderen Utensilien.

Lasst alles da und ihr werdet es bei der Ankunft wieder bekommen.

Während die Gefangenen festgenommen wurden, mussten sie all ihr Hab und Gut an Bahnhöfen liegen lassen, mit dem Versprechen alles nach deren Ankunft wieder zu bekommen. Das sie den eigenen Besitz niemals wieder gesehen haben ist wohl jedem klar.

Zwei Glaswände bleiben wohl jedem KZ-Besucher besonders gut in Erinnerung. Hinter einen von denen lagen eine Vielzahl von Zyklon B Dosen, welche ursprünglich als Schädlingsbekämpfungsmittel entwickelt wurde, um später für die Vergassung in Konzentrationslagen missbraucht werden zu können. Die Tatsache, dass die vorliegenden Dosen aufgemacht und somit wohl auch eingesetzt wurden sorgt für einen Moment, bei dem es einem kalt den Rücken hinunter läuft.

Hinter der zweiten Glaswand liegen einige Tonnen menschliches Haar. Haare, die den Gefangen währen ihrer Gefangenschaft abrasiert wurde, um sie damit zu entwürdigen. Hierbei wurden auch keine Unterschiede gemacht, ob die Gefangenen Männer, Frauen oder Kinder waren. Unmenschlichkeit auf höchster Ebene.

Kinderschuhe im Meer voller Schuhe von Gefangenen.

Offene und wohl eingesetzte Zyklon B Dosen.

Der Alltag im KZ

Eines der original erhaltenen Häuser zeigt noch Heute auf, unter welchen Umständen die Gefangenen damals ihren Alltag gelebt haben. Teilweise schlief man auf Wohldecken auf dem Boden, teilweise auf hölzernen Stockbetten, vollgefüllt und viel zu eng.

Wenn man von den Aufsehern ausgewählt wurde, um ihnen im KZ-Alltag auszuhelfen, wurde man privilegiert behandelt und bekam ein besseres Zimmer, mit mehr Platz und Komfort. Das Übel hierbei war aber, dass man selbst als Gefangener seine Kollegen und Bekannte foltern und unmenschlich behandeln musste. Schliesslich war man Angestellter der Aufseher und hatte seinen Taten zu vollbringen.

Wenn man sich dagegen gewährt hat, wurde man mit anderen Gefangenen an der „Schwarzen Wand“ erschossen. Eine Situation, in der es wohl jedem schwer fallen würde zu entscheiden, was nun das Richtige ist. Das eigene Leben retten und dafür andere schlecht behandeln oder das nächste Todesopfer zu werden.

Wenn man als Besucher unmittelbar vor der Wand steht und sich vorstellt, was hier passiert ist, wird einem fast schon übel. Einige Besucher konnten dabei ihre tiefsten Emotionen nicht unterdrücken und verloren für die vielen Opfer einige Tränen.

Schrecklich.

Ursprünglich war das KZ als Arbeitslager angedacht und diente vorerst auch als solches. Hier wurden zuerst nur Verbrecher gefangen genommen, was sich mit den Umständen während des zweiten Weltkriegs veränderte.

Die meisten Tode passierten hier entweder weil man verhungerte, wegen den schlechten Verhältnissen schwer erkrankte oder an der Todeswand erschossen wurde. Nur wenige Menschen fanden in Auschwitz selbst den Tod in der Gaskammer. Um die Vielzahl der Leichen loszuwerden, wurden diese zuerst vergraben, später aufgrund Platzmangel in den Öfen verbrannt.

Nachdem es eine immer grössere Anzahl Gefangener wurde und man keinen Platz für alle Gefangenen hatte, experimentierte man in Kellnern einzelner Häuser mit den ersten Vergassungen. Als das Gange grösser wurde, errichtete man die ersten Kammern hierfür.

Beim Hineinlaufen in die Gaskammer mit Verbrennungsöfen, erblickt man als Besucher ganz kleine Öffnungen auf der Decke. Hier wurde von den Aufsehern Zyklon B hineingeschüttet, um die Gefangenen damit zu vergassen.

Wenn man direkt darunter steht und sich nur vorstellt, wie jemand die Öffnung aufmacht um Zyklon B reinzuschütten, geht mit einem Traurigkeit, Verwirrtheit und Wut durch.

Warum nur?

Vor Ort zu sein, hinter den Wänden wo diese Schandtaten tatsächlich passierten. Eindrücke, die einen nicht mehr so schnell lockerlassen werden. Und doch sind es Lektionen, die uns eines besseren belehren müssen.

Die Schlafkammer mit Decken auf dem Boden. Unmenschliche Verhältnisse.

Schlafzimmer mit den typischen Etagenbetten.

Zimmer der Privilegierten mit etwas mehr Konformität.

Waschbecken im Wohnblock.

Die Schwarze Wand. Hier fanden viele den Tod.

Endstation Birkenau

Als wäre Auschwitz nicht genug Unfassbarkeit gewesen, steht in direktem Zusammenhang ebenfalls Birkenau. Hier geht es in einer ca. fünfminütigen Fahrt zur fast schon unübersichtlichen Grundfläche voller Holzbaracken und Gaskammern.

Nach der Ankunft lief ich für mich die berühmten Gleise hinunter, abgeschottet von der Gruppe. Allein mit meinen Gedanken über die Taten und all die Todesopfer.

Ebenfalls hier steht noch ein Zugwaggon in dem damals Menschen in völliger Überzahl hineingequetscht wurden und in absolut miserablen Zuständen stundenlang transportiert wurden. Schon die Vorstellung ist so furchtbar – unglaublich das es wahr ist.

Die Gefangenen, die selbst als Aufseher gezwungenermassen agierten, sortierten in Zusammenarbeit mit den Nazis, wer nach der Ankunft in Birkenau erstmal als Gefangener arbeiten soll und wer direkt unmittelbar Richtung Gaskammer laufen soll.

Hierbei wurden Männer, die noch Arbeit verrichten konnten als Gefangene genommen, um anschliessend unter furchtbaren Umständen ausgenutzt zu werden, während Frauen, Kinder wie auch kranke und alte Menschen in den meisten Fällen direkt in den Tod geschickt wurden.

Um all das Leid und Geschrei der Ankömmlinge zu vermeiden, wurden die Kinder bei der Ankunft nicht von den eigenen Müttern getrennt. Auch wurden sie nicht informiert, was nun passiert, da dies die Situation nur noch schrecklicher machen würde.

In den Holzbaracken schliefen die Gefangenen, die vorerst verschont wurden in herzlosen Verhältnissen und wurden dabei wie Tiere behandelt.

Kalt. Ungemütlich. Überfüllt.

So fanden wegen den schlechten Verhältnissen viele Gefangene den letzten Frieden aufgrund der körperlichen Erschöpfung, lange bevor man sie umgebracht hätte.

Völlig verwirrt und traurig über die gehörten Geschichten während der Führung geht es als Besucher am Ende den Weg hinauf. Der Weg ist der gleiche, welchen die Gefangenen unmittelbar vor der eigenen Vergassung ebenfalls als letzten gingen. Ein paar Minuten, in denen einfach jeder bloss schweigt und die eigenen Gedanken den Opfern schenkt.

Die Gaskammern sind heute nur noch Ruinen, am Ende des Krieges von den SS-Mänern gesprengt. Da steht man vor den Ruinen und stellt sich bildlich vor, wie damals die Menschen anstanden um auf den eigenen Tod zu warten.

Trauer. Wut. Ratlosigkeit.

Der Bahnhof von Birkenau.

Gleis ins Konzentrationslager Auschwitz.

Beobachtungsturm für die Kontrolle über den Gefangenen. Hier standen früher Unmengen an Holzbaracken.

In solchen Lokomotiven wurden die Menschen transportiert.

Ruinen der gesprengten Gaskammern.

Holzbaracken von innen. Hier schliefen die Gefangenen in Überzahl auf engsten Raum.

Absperrungen in Auschwitz als Symbol für das Ende der eigenen Freiheit.

Aus Fehlern lernen

So schlimm die Zeit auch war. So sehr die Taten rücksichtslos gewesen sind. So furchtbar die Gefangenen ihren schlussendlichen Frieden fanden. Wir müssen alle aus der Zeit lernen und uns immer wieder bewusst machen, welche Schandtaten damals passierten, daraus lernen und dafür sorgen, dass niemals wieder nur ansatzweise so etwas furchtbares passiert.

Hass hat die Menschheit noch nie weitergebracht. Er frisst uns nur innerlich auf, sobald wir ihn in unser Herz lassen.

Auf eine bessere Welt!

Denkmal an die vielen Opfer. Ruhe in Frieden.

Warst du schon mal in einem KZ zu Besuch? Was waren deine Eindrücke?

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Kommentare

  1. Chris sagt:

    Toll und emotional geschrieben. Beeindruckend und krass, in jeglicher Hinsicht.

    Dein letzter Absatz („Hass hat die Menschheit noch nie weitergebracht.“) ist wohl der wichtigste Punkt des Artikel – mögen ihn wenn möglich alle Leute dieser Welt lesen.

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